Die Überschrift ist natürlich ein wenig provokativ, aber das lösen wir später auf.
Die Bundestagswahl in Deutschland liegt hinter uns und der Wahlkampf hat das Thema Klimaschutz und Energiewende durch die Diskussion um die Anschläge in Deutschland und damit verbunden, die in den Vordergrund geschobene Diskussionen zum Thema Migration, deutlich in den Hintergrund gedrängt.
Unabhängig von dem Wahlergebnis müssen wir jetzt wieder zu den wichtigen Themen in unserer Gesellschaft zurückkommen. Der Klimawandel, der unaufhaltsam voran schreitet und in immer kürzeren Abständen Hiobsbotschaften aus aller Welt bringt, sei es das deutlich schnellere abschmelzen der Polkappen, Stürme, Großfeuer oder Hitzerekorde sollte eigentlich alle Parteien veranlassen, sich mit der Klimawende und den Klimafolgeanpassungen auseinander zu setzen. Nicht desto trotzt, werden wir in den nächsten Wochen und Monaten etliche Diskussionen über das Zurückdrehen von bereits beschlossenen Gesetzen zur Eindämmung des Klimawandels erleben und ich vermag nicht zu prognostizieren, wie sie ausgehen werden.
In diesem Zusammenhang kann man durchaus auf ein Zitat von John Lennon zurückgreifen: „Das Leben ist das, was passiert, während wir dabei sind, andere Pläne zu machen“.
Unabhängig davon, ob die zukünftige Bundesregierung des Heizungsgesetz wieder zurückdreht oder den Photovoltaik-Ausbau runterfahren wird, haben die meisten Menschen begriffen, dass die Energieversorgung nicht wieder auf den Stand von 1990 zurückkehrt. Sie wissen, das es für sie mittelfristig wirtschaftlich ist in die eigene Energieversorgung zu investieren.
Zahlreiche Hausbesitzer haben Photovoltaik auf die Dächer gebracht oder sind derzeit dabei. Wie stark die Nachfrage in den letzten Wochen war, ließ sich daran ablesen, welche Montagetermine den Hausbesitzern von den Handwerkern genannt wurden. Und die Situation wird nicht besser werden, auch weil gerade in diesen Branchen ein enormer Fachkräftemangel herrscht. Aber unabhängig davon, wie schnell oder langsam durch das Handeln der neuen Bundesregierung der Ausbau der Erneuerbaren und hier insbesondere in den Siedlungsbereichen die Installation von Photovoltaik und Wärmepumpen vorangeht, kann man sicher sagen, dass das alte Geschäftsmodell der Stadtwerke, Strom und Gas zu liefern, auf Dauer nicht mehr funktionieren wird.
Bis in die Nullerjahre war das Geschäftsmodell der Stadtwerke sehr einfach. Sie haben Strom und Gas an die Endkunden verkauft. Teil des Preises waren die Netzentgelte, sie wurden nicht separat ermittelt oder gar ausgewiesen.
Mit der so genannten „Liberalisierung“ des Energiemarktes in den 2000er-Jahren änderte sich dieses Modell grundlegend. Jetzt wurden die Netzkosten ermittelt, sie mussten von der Bundesnetzagentur genehmigt werden. Auf die Netzkosten konnte nur noch eine überschaubare Marge erwirtschaftet werden. Frei waren die Stadtwerke lediglich noch beim reinen Verkauf von Gas – und Strom.
Gleichzeitig gab es aber neue Marktteilnehmer, die Strom und Gas an den Endkunden verkauft. Auch denen wurden die Netzentgelte in Rechnung gestellt. Für sie galt aber ein Diskriminierungsverbot d.h. für alle Lieferanten von Strom und Gas waren sie gleich hoch.
Gerade im Gasbereich ist zu berücksichtigen, dass die Nachfrage nach Gas schon in 20 Jahren auslaufen wird. Bis aber der letzte Abnehmer von Gas vom Netz geht, sind die Stadtwerke verpflichtet das Netz aufrecht zu erhalten. Da diese Netze Entgelte auf die jeweiligen Abnehmer von Gas umgelegt werden, wird in Zukunft das Netzentgelt für die Gaskunden überproportional steigen. Die Kosten ein Netz aufrecht zu erhalten, sinken nicht entsprechend dem Rückgang der Nachfrage.
Die Menge an elektrischen Strom und an Gas wird durch Photovoltaik und Wärmepumpen deutlich reduziert werden. Es wird auch in dem bestehenden Siedlungbereichen immer mehr Grundstück gegeben, die eine alternative Versorgung für ihre Immobilie hinbekommen und entweder nur noch Spitzenlasten oder überhaupt keine Energie mehr von den Stadtwerken abnehmen werden.
Es zeichnet sich also jetzt schon ab, dass mittelfristig die Netzkosten aus sozialpolitischen Gründen nicht mehr in vollem Umfang auf Gas Kunden umgelegt werden können. Mit dem Netzbetrieb Gas werden die Stadtwerke also kein Geld mehr verdienen können, sie werden auf Zuschüsse angewiesen sein.
Damit geraten die Stadtwerke in ein absolutes Dilemma. Derzeit haben Sie noch eine Versorgungspflicht. Diese bindet sie ohne Enddatum in den Bestandsgebieten die Leitungsinfrastruktur für Strom und Gas aufrecht zu erhalten und abgängige Leitungen zu erneuern.
Im Strombereich stellt sich die Ausgangslage etwas anders dar. Trotz zunehmender privater Stromerzeugung (insbesondere Photovoltaik) wird ein Stromnetz weiter erforderlich bleiben. Es wird notwendig sein, die jeweilige Stromerzeugung im privaten Bereich auszubalancieren. Nicht zu jeder Tageszeit, nicht zu jeder Jahreszeit wird der eigene Stromverbrauch der eigenen Stromerzeugung entsprechen. Dass dies ein völlig anderes Netz erfordert, als ein reines verteilt Netz ist klar und bedarf erheblicher Investitionen. Nicht desto trotz kann man durchaus davon ausgehen, dass diese Netzkosten weiter umgelegt werden können, da alle Haushalte auf eine solche Netzanbindung angewiesen sein werden.
Somit werden die wichtigsten Einnahmequellen der Stadtwerke wegbrechen und die höheren Netzkosten zur Vermeidung sozialer Härten durch die Kommunen aufgefangen werden müssen.
Viele Stadtwerke machen sich auch keine Gedanken darüber, wie sie in den Kommunen weiter ein wesentlicher Versorger für die Bevölkerung sein können.
Derzeit sind die Städte verpflichtet, Wärmepläne aufzustellen und diese bis 2026 ausgearbeitet zu haben. Diese Wärmepläne geben einen Überblick darüber, welche alternativen Möglichkeiten für die Beheizung der Gebäude gegeben werden können. D.h. die zeigen auf wo bestehende oder neu anzulegen Fern- oder Nahwärmenetze die Versorgung übernehmen können und in welchen Umfang. Sie werden auch grob die Kosten für die Kommunen beziehungsweise die Stadtwerke ermitteln und wir werden sehr überrascht sein, welche Investitionen dabei auf die Kommunen zukommen werden. Sie werden in vielen Fällen aber auch aufzeigen, dass eine zentrale Nah- oder Fernwärmeleitung, nur in einem kleineren Teil der Kommunen sinnhaft sind beziehungsweise auch nur dafür die Wärmequellen zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass insbesondere die wenig verdichteten Gebiete auf Einzellösungen setzen müssen und hier liegt das große Problem. Es handelt sich in der Regel um sehr heterogene Gebiete von Gebäudezustand, Baujahr und Renovierungszustand. D.h. einzelne Grundstücke aus einem Straßenzug werden sehr gut über Fotovoltaik und Wärmepumpen ihren Energiebedarf decken können, andere werden mittlere Bereiche von Rest Wärme benötigen und wieder andere ausschließlich Spitzenlasten. Durch die Versorgungspflicht muss jedoch das Netz in den Straßen so lange aufrecht erhalten bleiben, bis auch der letzte Netzunabhängig seine Bedarfe decken kann. Im Worstcase heißt dies, ich habe von den 50 Hausanschlüssen irgendwann nur noch zehn in einer Straße und muss ein zwei Jahre bevor die letzten eine Alternative gefunden habe die gesamte Leitungsinfrastruktur erneuern.
Diese enormen Instandhaltungskosten der Infrastruktur können Stadtwerke mit Versorgungspflicht nicht mehr erwirtschaften. Das bedeutet aber, dass die Eigentümer der Stadtwerke, in der Regel die Kommunen oder kommunale Verbände, an dieser Stelle werden einspringen müssen. Und damit kommen wir dann zur Überschrift. Die ohnehin gebeutelten Haushalte der Kommunen werden damit noch einmal stark belastet und für die freiwilligen Leistungen bleibt noch weniger Handlungsspielraum. Die Kultur ist da häufig der Bereich, der den unter Druck stehenden Entscheidungsträgern dann als erstes einfällt.
Aber wie kann dieser Entwicklung entgegengewirkt werden? Viele Stadtwerke haben bereits zum Glück eigene Wärmenetze aufgebaut, so dass sie auch weiter die Bevölkerung zumindest in Teilen der Kommunen mit Wärme versorgen. Andere haben in Windkraft oder Freiflächenfotovoltaik investiert und werden damit zum Stromerzeuger. Was aber gerade in dicht besiedelten Gebieten in Innenstadt-Wohnquartieren fehlt, sind Energiekonzepte, die fürs Quartier gedacht werden, auch an den Stellen, wo nah oder Fernwärme keine Lösung darstellen. Hier habe ich schon vor Jahren versucht, bei den Stadtwerken ein Interesse dafür zu entwickeln, dass sie Quartierskonzepte entwickeln, um die Energieversorgung in diesen hoch verdichteten Gebieten sicherzustellen. Das ist natürlich bei Bestandsbaugebieten deutlich komplexer als beim Neubau auf der grünen Wiese. In Neubaugebieten hat man in der Regel eine Entwicklungszeit von ein bis zwei Jahren, bis das Gebiet komplett entwickelt ist und sich die Investitionen des Energiedienstleistungen refinanzieren. Anders in den Bestandsbaugebieten, eine heterogene Baustruktur unterschiedlicher Altersklassen. Einige Häuser sind saniert und gut gedämmt andere Weisen den Standard der Jahrhundertwende auf. Die Ausrichtung der Häuser ist äußerst unterschiedlich. Dazu kommen unterschiedliche Dachformen und gegebenenfalls an für das Kleinklima der Stadt guter alter Baumbestand, der damit Teilflächen für Photovoltaik zum Beispiel ausschließt. Darüber hinaus sind diese Immobilien oftmals im Einzelbesitz. D.h. jeder Hausbesitzer entscheidet selbst, wann und in welcher Form er auf die veränderte Energiesituation reagieren möchte. Es gibt die Zögerer und Abwartenden und diejenigen, die vielleicht auch die finanziellen Spielräume haben, zu einem Zeitpunkt bereits eine Veränderung durchzuführen die sich nicht sofort amortisiert. Es gibt Grundstücke, die von der Erschließungstraße zugänglich sind, in deren Hof oder Gartenflächen gearbeitet werden kann und andere die bei geschlossener Blockrandbebauung jegliche Lösung die Großgerät bedürfen, ausschließen. In der Regel weisen die Heizungsanlagen in den Gebäuden eine völlig unterschiedliche Alterstruktur auf, so dass ein durchgängiges Konzept, was sich innerhalb von einer überschaubaren Zeit von 2-3 Jahren umsetzen lässt, sich nicht anbietet. Konzepte für diese Stadtbereiche zu entwickeln, kostet Geld und bedarf eines großen Vorfinanzierungbudgets, dass die Stadtwerke ebenfalls nicht leisten können. An dieser Stelle ist die Kommune gefordert, ihre Stadtwerke mit dem nötigen Finanzbedarf auszustatten weil sich dieser refinanzieren wird, anders als abgängige Leitungsnetze, die nur noch für einen kleinen Teil der Bevölkerung aufrecht erhalten werden muss und irgendwann komplett abgeschrieben sind. Mit dem Invest in diese Konzepte sichern die Kommunen ihre Stadtwerke ab und sorgen gleichzeitig dafür, das Hausbesitzer und Mieter in zukunftsfähige nachhaltige Energieversorgungsysteme investieren und nicht unsägliche Diskussionen und politische Verwerfungen entstehen.
Ein ähnlicher Ansatz gilt auch dafür, dass die Kommunen ihre Stadtwerke in die Lage versetzen müssen, die notwendigen nachhaltigen Energieerzeugungskonzepte umzusetzen und diese in der Hand der Stadtwerke behalten. Natürlich, es ist ein enormer Invest für die Stadtwerke die Freiflächenphotovoltaikkapazitäten aufzubauen, die notwendig sind, damit wir insgesamt und jede Kommune für sich klimaneutral werden. Natürlich erfordert es ein ganz anderes Geschäftsmodell, das viele Stadtwerke nicht kennen, in Bürgerwindparks zu investieren und mit den Bürgern der eigenen Kommune die energetische Zukunft zu sichern. Aber auch die dafür notwendigen Finanzmittel sind ein Invest in die Zukunft und fließen wieder in die Kommune zurück. Es ist nicht davon auszugehen, dass wir zukünftig weniger Energie brauchen, sondern der Energiebedarf wird in den westlichen Industrienationen deutlich steigen. Die Elektromobilität, die Wärmeversorgung der Gebäude, dort, wo Wärmepumpen sinnvoll sind, die Computertechnologie, KI und so weiter, sind Bereiche, die den Energiehunger der westlichen Industrienationen deutlich erhöhen werden. Somit ist die Erzeugung von nachhaltigen Strom über Photovoltaik und Windkraft ein Garant dafür, dass die Stadtwerke zukunftsfähig aufgestellt werden und Finanzrückflüsse in die beteiligten Kommunen liefern werden. Und damit werden die Kommunen handlungsfähig auch bei den freiwilligen Leistungen, die sie für ihre Bürger aufrecht erhalten, die gerade in einer diversifiziert Gesellschaft umso wichtiger sind.