Wasser ist Leben

War es Zufall, dass das skandinavische Hotel gerade diesen Spruch an die Wand meines Hotelzimmers hat schreiben lassen?
Ich kam gerade aus der Ausstellung „Water Pressur“ des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Die Ausstellung geht noch bis zum 13.10.2024 – und um es gleich vorweg zu nehmen, sie ist sehenswert.
Wasser, deren Nutzung und Verteilung wird uns auch in unseren Breiten in nicht allzu ferner Zukunft intensiver betreffen. Im ersten Teil der Ausstellung wird die Historie der Wasserverteilung und Nutzung über die Jahrtausende dargestellt. Es wird uns noch beschäftigen.
Wichtiger für mich waren die Auseinandersetzungen und Lösungen der zahlreichen Problematiken im Zusammenhang mit Wasser: Überschwemmungen und steigender Meeresspiegel auf der einen Seite und Wasserknappheit und Dürre auf der anderen Seite. Mit all diesen Problemen werden wir uns auseinandersetzen müssen und zwar sowohl mit zu viel als auch mit zu wenig Wasser.

Schon heute sind 40% der Weltbevölkerung von Wasserknappheit betroffen. Misswirtschaft und Übernutzung aber auch die Kommerzialisierung des Lebensmittels Wasser stellen in weiten Teilen der Welt schon heute ein enormes Problem dar. Water Pressure zeigt nicht nur die Probleme dar sonder versammelt auch Ideen und Lösungen. Damit sind wir wieder bei der Historie denn nicht wenige Lösungsansätze greifen auf traditionellen Ansätze zurück, um sie mit den heutigen Technologien zu kombinieren.

Der nigerianische Architekt Kunlé Adeyemi greift mit seinem Amsterdamer Büro NLÉ die historischen Bauweisen von schwimmenden Bauten für sein Projekt im Makoko in Lagos auf. Aus dem traditionellen Wohnen auf dem Wasser entwickelte er einen skalierbaren Haustyp um dem steigenden Meeresspiegel zu begegnen.
Das Projekt von Tredje Natur kommt den Problemen der europäischen Binnenstadt schon näher. Der Wechsel von Trockenheit und Starkregenereignissen wurde bei der Renovierung des Enghaveparken in Kopenhagen aus den 1920er Jahren in das größte Wasserreservoire der Stadt umgewandelt. In den Park wurde ein Wasserreservoire in der Größe von 22.600 m3 integriert. Bei Starkregen füllt sich das Reservoir, speißt die Wasserspiele in Normalzeiten und kann in Dürrephasen die Vegetation versorgen.

Auch im Kleinen können Rückgriffe auf historisches Lösungen aufzeigen, die allein durch die serielle Häufigkeit enorme Mengen Trinkwasser einsparen. Trotz der Ansätze aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts verbrauchen immer noch nahezu alle Toiletten im Schnitt 7 Liter Trinkwasser pro Spülung. Das finnische Projekt „Death to the flushing Toilet“ greift auf das Vorbild der finnischen huusi, einer Komposttoilette, die im ländlichen Raum bis heute benutzt wird, zurück.


Ebenfalls von Tredje Natur wurde eine Klimafliese entwickelt. Dieses zweiteilige Betonelement leitet das Oberflächenwasser durch kleine Öffnungen in ein integriertes Röhrensystem durch das das Wasser in Zisternen an den Stadtbäumen geleitet wird. Damit sind die Bäume in Trockenphasen wir Wasser versorgt und müssen nicht mit Trinkwasser aus Fahrzeugtanks künstlich bewässert werden.

Aber auch Projekte, die uns zeigen, welche Kosten auf uns durch ein aus dem Gleichgewicht geratenes Wassermanagement zukommen werden dargestellt. So soll der Second Sea Calculator zu Debatten über Klimagerechtigkeit und Wiedergutmachung anregen in dem die Kosten für die Küstenstädte durch den Anstieg des Meeresspiegels dargestellt werden.

Zurück zum Beton. In den wasserarmen Regionen rund um den Persischen Golf wird der größte Teil des Trinkwassers durch Entsalzungsanlagen aus Meerwasser gewonnen. Die dabei entstehende Abwassersole wird zurück ins Meer geleitet , verändert den Salz und Schwermetallanteil und erhöht die Wassertemperatur mit den bekannten Folgen für das Ökosystem. Wetland hat ein Verfahren entwickelt aus dieser Abwassersole eine Zementalternative herzustellen. Damit wird nicht nur Schaden vom Ökosystem im Meer abgewendet sondern auch der enorme Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß bei der Zementherstellung reduziert. Schließlich ist die Zementherstellung weltweit für 8% des CO2-Ausstoßes verantwortlich.
Sollten Sie bei soviel Wasser im Text durstig geworden sein, bietet Xylem eine Lösung. Xylem hat in einem gemeinsamen Projekt mit den Berliner Wasserwerken Bier aus gereinigtem Schmutz- und Regenwasser gebraut.

Die Ausstellung mit den guten, teils umfangreichen Erläuterungen ist als Einstieg in das Thema Wasserzukunft absolut sehenswert, insbesondere, da es keinen Katalog gibt.

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